Belege


Bayerische Schmankerl 40 - N.N.
 
30-Kreuzer-Frankatur - von 18 Kr. ziegelrot zus. mit 12 Kr. lila- , entwertet mit off. MR-Stempel „325“, auf Chargébrief der 2. Gewichtsstufe von München nach Paris vom 30. Dezember 18 68. Als Chargéstempel wurde der nur  kurzzeitig eingesetzte rote Fünfzeiler „München Chargé“ verwendet, zusätzlich ein französischer „Chargé-Einzeiler“.Taxe nach dem o.a. Postvertrag: 24. Kr. für den Brief der 2. Gewichtsstufe ( rücks. ist das Gewicht mit 11,5 Gr. – also zw. 10 u. 20 Gr.- vermerkt). Die Chargégebühr betrug 12 Kr., je zur Hälfte für Bayern und Frankreich. Der französische Anteil von 6 Kr. musste mit Marken entrichtet werden, der bayerische Anteil wurde vom Absender in bar eingehoben. Der Brief ist daher mit den verklebten 30 Kr. portogerecht frankiert. Eine seltene Frankatur!



Bayerische Schmankerl 39 - N.N.
 
6-Kreuzer Frankatur - von zwei Stück 3 Kr. rot - entwertet mit Zweikreistempel „ NÜRNBERG BHF. 12. FEB 18..“, auf Drucksachen-Kreuzband nach Paris. Taxe nach dem Postvertrag Bayern/Frankreich vom 19.03.1858, gültig ab 01.07.1858. 3 Kr. für die einfache Drucksache bis 40 Gr.; hier für die handschriftlich vermerkte 2. Gewichtsstufe (zwischen 40 u. 80 Gr.) „ 2p(orts)", somit die verklebten 6 Kr. Davon erhielt Bayern 2 Kr. und Frankreich 4 Kr. Bisher einzig bekanntes Auslands-Kreuzband in der doppelten Gewichtsstufe!



Bayerische Schmankerl 38 - Wolfgang Hoek

Ein Brief von Fürth nach Brüssel, frankiert mit 12 Kreuzern (Sem Nr.: 12). Absendedatum ist der 1. Juli 1863. Es ist eine tarifrichtige Frankatur, die lt. Additionalvertrag Preußen - Belgien genau an diesem Tag Gültigkeit erlangt.



Bayerische Schmankerl 37 - Wolfgang Denkler

Mein Brief vom 11.1.1864 von Lindau nach Haigerloch im Fürstentum Hohenzollern-Hechingen erinnert an den Brief, den Edgar Krappmann hier unter Bayerische Schmankerl 24 eingestellt hat.  Bei seinem Brief wird eine Mi.Nr. 14 auf Brief gezeigt, bei der sich noch eine weitere Marke unter der 1-Kreuzer-grün befindet, die versehentlich mitgeklebt wurde. Der jetzt gezeigte Brief ist frankiert mit einer Mi.Nr. 10a. Auch unter dieser Marke sitzt eine weitere blaue 6-Kreuzer Marke. Oben, rechts und links sind die beiden Marken vollkommen deckungsgleich geschnitten. Unten kann man die 2. Marke gut erkennen. Und auch die nicht häufige Destination des Briefes macht den Brief nicht schlechter. Der vorderseitig vorhandene Blaustrich steht für 1 Kreuzer Bestellgeld. Es wurde übrigens in Württemberg schon 1850 abgeschafft - in Hohenzollern lebte es aber noch längere Zeit weiter fort.



Bayerische Schmankerl 36 - Wolfgang Denkler

Der offene Mühlradstempel 41 von Berching in Mittelfranken ist ein recht seltener Stempel. Nach dem Winkler-Stempelhandbuch und auch nach dem Sem-Katalog ist der Mühlradstempel-Sondertyp ohne Innenkreis nur auf einigen Belegen von Januar und Februar 1869 bekannt. Ich habe trotz intensiven Suchens bisher erst 4 Briefe mit diesem Stempel in Auktionskatalogen gefunden. Alle Briefe hatten eines gemeinsam:

  • Sie sind mit einer Mi.Nr. 15 frankiert und
  • die Marken sind nur sehr schwach bis kaum lesbar mit dem offenen Mühlradstempel 41 entwertet.

Mein Brief ist dagegen mit einer Mi.Nr. 21 frankiert. Nach dem Inhalt datiert er auch nicht vom Febr./März 1869 sondern vom 5.11.1868 und ist nach Auskunft von Herrn Sem der bisher früheste bekannte Beleg. Den Stempelabschlag kann man zwar nicht als glasklar bezeichnen, aber er ist immerhin noch recht ordentlich aufgesetzt und auch gut lesbar.



Bayerische Schmankerl 35 - Peter Zollner

Ein sog. Königsbrief. Der Adressat eines Briefes war für Philatelisten lange Zeit ein eher untergeordneter Aspekt. Erst durch das Aufblühen eines neuen Zweiges der Philatelie, der sog. Social Philately, gewann auch diese Seite eines Briefes an Bedeutung. Schon immer eine gewisse Ausnahme stellten freilich Briefe an Regierende dar, welche als Fürsten-, Königs- bzw. gar Kaiserbriefe bezeichnet wurden, handelte es sich dabei doch zweifellos um A-Promis, die auf breiter Basis Anerkennung, wenn nicht gar Verehrung genossen, was man nicht von jedem Beleg der heute betriebenen Sophy behaupten kann.

Schon immer bezweifelt werden konnte jedoch auch bei den Adelsbriefen, ob der jeweilige Brief und sein Inhalt oder auch nur letzterer tatsächlich bis in die Hände des Adressaten gelangt sind. Dies trifft auch auf den vorliegenden Ortsbrief München vom 25. September 1855 zu, der an König Maximilian II. Joseph adressiert ist. Der Zusatz "Zum königlichen Staatsministerium der Justitz" lässt vermuten, dass es sich bei dem Inhalt um ein Gerichtsverfahren handelte, bei dem sich der Absender Hoffnung auf einen positiven Einfluss durch Seine Majestät erhoffte. Aber ob der König tatsächlich mit der ganzen Angelegenheit in irgendeiner Weise persönlich befasst war, wir wissen es nicht. Den Namen "Königsbrief" darf der Brief dennoch tragen. Der Brief hatte im Übrigen das Glück, vom Absender mit einer Marke versehen worden zu sein, denn ab April 1850 waren Briefe an die Majestäten zu frankieren - andernfalls waren sie zu sammeln und zu verbrennen.



Bayerische Schmankerl 34 - Peter Zollner

Noch ein Bischofsbrief. Bei dem Thema "Bischofsbriefe" denken die allermeisten Sammler an jene mit vorgedruckter Adresse an die Erzbischöfe von München-Freising, die Menzinger in seiner kleinen Monographie so gut beschrieben hat. Darüber hinaus gibt es aber natürlich auch handgeschriebene  Bischofsbriefe nach München, aber nicht nur dorthin, sondern auch an alle anderen Erz- und Suffraganbistümer. Diese sind sämtlich viel seltener zu finden als die vorgedruckten, bestechen aber meist auch durch eine kalligraphisch auffällige Ergebenheitsadresse. Das Verhältnis vorgedruckter zu handgeschriebener Briefe liegt nach Schätzung bei etwa 50 bis 100 : 1. Von den handgeschriebenen noch am ehesten anzutreffen sind die nach München, Bamberg und Regensburg, wohingegen Belege nach Augsburg, Speyer, Passau und Eichstätt wirklich selten sind.

Der abgebildete sog. Bischofsbrief  der 2. Gewichtsstufe (über 1. Loth) von Herrieden in die 1. Entfernungszone (bis 12 Meilen, tatsächliche Entfernung 10,25 Meilen) nach Eichstätt ist mit einer 6 Kreuzer braun, Platte 1 korrekt frankiert. Die Marke ist mit dem geschlossenen Mühlradstempel "425" der 1. Verteilung von Herrieden zentrisch gestempelt. Der Brief lief, wie fast alle Bischofsbriefe, nicht an den Bischof persönlich, sondern an das Vicariat (Ordinariat), die zentrale Verwaltungsbehörde der Diözese. Es ist daher angebracht, ihn als sog. Bischofsbrief zu bezeichnen, da er niemals in die Hände des Bischofs selbst geriet. Ein solches Ansinnen hätte auf dem Brief außen eigens vermerkt werden müssen. Dies wiederum trifft aber auf 99% aller anderen BIschofsbriefe auch zu, die vorgedruckten eingeschlossen.



Bayerische Schmankerl 33 - Edgar Krappmann

Ein Buchstabe zu viel. Dr. Menzinger hat den Druckfehler in seinem kleinen Büchlein über die Bayerischen Bischofsbriefe nicht erwähnt. Ob er ihn gar nicht gesehen hat? Haben Sie denn schon den überzähligen Buchstaben entdeckt?
 
Zufällig habe ich bei einer Auktion eine Briefhülle aus der Periode des Münchner Bischofs GREGOR ( 1856 – 1877) ersteigert- eine Briefhülle mit dem doppelten c in „Excellenz“. Ich bin nicht informiert, ob dieser Druckfehler in der Riege der Bischofsbrief – Sammler bekannt ist. Eine aktualisierte Beschreibung des seltenen Belegs 5c könnte also lauten: „Selten – geringe Veränderungen, aber mit Druckfehler „cc“ in Exccellenz“.



Bayerische Schmankerl 32 - Franz Ullmann

Nr. 43 Siebenerblock mit Nr. 40b als Verrechnungsfrankatur auf Briefbogen der Exp. Schopfloch, Entwertung mit Dienstsiegel des OPA Nürnberg vom 30.9.1881. Verrechnet wurde damit das Porto für die Nachsendung eines Kistchens ("durch Einsendung des Markenbetrages erledigt"). Derartige Formulare sind nur in wenigen Exemplaren erhalten geblieben, da sie als postinterne Vorgänge normalerweise vernichtet wurden. Die Frankatur mit der größten bekannten Einheit der 1 Mark weite Welle und der
guten Farbe des 20-Pfg.-Wertes ist spektakulär.
Das Stück war eine Entdeckung des im vergangenen Jahr verstorbenen Bundesprüfers Friedrich Pietz, dessen Gedenken ich die Veröffentlichung widmen möchte.



Bayerische Schmankerl 31 - Peter Zollner
 
Auch lose Marken können durchaus Schmankerl sein, zumal wenn es sich um Einheiten handelt. Kommen noch weitere Faktoren hinzu "schmankerlt" es sich sich gleich noch mehr. Da nur drei Prozent aller Marken der Ausgabe 1850 / 1858 einen (vorschriftswidrigen) Ortsstempel tragen, sind Quadratmarken mit Ortsstempel also alles andere als Massenware. Von den meisten Orten wird man eine solche Marke vergeblich suchen. Bei Burgkundstadt ist das zwar nicht der Fall, ganz im Gegenteil, es gehört zu den Orten mit den häufigsten vorschriftswidrigen Ortsstempelentwertungen. Einen Viererstreifen mit Ortsstempel wird man allerdings viele Jahre lang suchen müssen. Was aber aus dem gezeigten Stück vermutlich ein Unikat macht, ist die Tatsache, dass die Marken von der Platte 6 (nach Frieauff / Kleinhenz) stammen. Wie wir im Handbuch dieser beiden Autoren lesen können, wurden nur wiederum drei Prozent aller blauen 3 Kreuzer-Marken von dieser späten Platte gedruckt. Damit reichen schon Einzelmarken dieser Platte fast an die Seltenheit der Platte 1 (entsprechender Wert etwa 2 %) heran.



Bayerische Schmankerl 30 - Hermann Dietl
 
Brief von Major von Zoller (Teilinhalt) an Herrn Generalleutnant von Triva, Chef des Geheimen Kriegs Bureau in München mit Aufgabestempel "R4.SIMBACH B. BRAU. (Braunau). Im Sommer 1806 wurde in Simbach am Inn (bis 1827 Simbach bei Braunau) eine Briefsammlung eröffnet. Sie bestand bis zum 12.9.1810, als Braunau zu Bayern kam und dort eine k.b.Postexpedition eröffnet wurde. Man kann den Brief aber eingrenzen und zwar: Mit Armee-Befehl vom 22.2.1807 wurde Hauptmann Karl von Zoller zum Major ernannt. Außerdem wurde am 1. Oktober 1808 aus dem "Geheimen Kriegs Bureau", das kgl. bayerische Kriegsministerium. Von Triva wurde gleichzeitig Kriegsminister. Der Brief liegt also in der Zeit von Februar 1807 bis Ende September 1808. Daher ist der Stempelabschlag noch sehr sauber. Wahrscheinlich war der Absender in Braunau mit stationiert, denn von Ende Oktober 1805 bis 10. Oktober 1807 besetzten französische Truppen Braunau.



Bayerische Schmankerl 29 - Peter Zollner
 
Vorentwertung mit Lineal von Günzburg
 Da ungenügend oder gar nicht abgestempelte Marken im Entdeckungsfalle einem bayerischen Postexpeditor zum Zehnfachen des Markenwertes als Strafe in Rechnung gestellt wurden, kamen einige Postbeamte schon ganz früh auf die Idee, die Marken bereits vor deren Befestigung auf dem Brief zu entwerten. Und weil laut einer Ausschreibung vom 12. November 1849 bis zur Einführung der Mühlradstempel ohnehin eine jede Marke als Zeichen der erfolgten Kontrolle zusätzlich zum Stempel einen Federzug hätte tragen müssen, brachten einige findige Postler diesen noch vor dem Aufkleben der Marken und gleich bogenweise an. Dies geschah teils frei Hand, im schwäbischen Günzburg aber mit Lineal. Vorentwertungen sind nur auf Brief oder Briefstück nachzuweisen und daran zu erkennen, dass die im Bogen angebrachten Federstriche logischerweise nicht auf die Unterlage übergehen und am Schnittrand der jeweiligen Marke enden. In den Ecken sieht man auch noch Strichfragmente, die eigentlich zum Federkreuz der Nachbarmarke(n) gehören. Selbstverständlich wurden die Marken nach dem Aufkleben  dann  zusätzlich  mit  dem  Ortsstempel  versehen,  um  den Aufgabeort zu  dokumentieren. Der gezeigte Brief vom 12. Januar 1850 ist einer von weniger als einer Handvoll registrierten Ganzbelegen, die erhalten geblieben sind. Vorentwertungen sind nicht zu verwechseln mit den wesentlich häufigeren Vorausentwertungen mit Mühlradstempeln, die freilich aber auch nicht gerade zur Massenware gehören.



Bayerische Schmankerl 28  - Wolfgang Hoek
 
Neun Kreuzer Frankatur vom 14.12.1862 oder 63 von Frankenthal nach Altona/Holstein. Der Brief lief über Frankfurt nach Hamburg zum T & T Postamt. Von diesem  wurde er dem dänischen Postamt übergeben, wie die Stempel auf der Rückseite belegen.
In dieser Zeit gehörten das Herzogtum Holstein, wie auch die  Herzogtümer Lauenburg, Eutin und Schwartau zum dänischen Staats –und Postgebiet. Briefe bis ein Loth waren vom 01.02.1854 bis 31.03. 1864 mit 13 Kreuzern zu frankieren - 9 Kr. Postvereinstaxe und 4 Kr. Weiterfranko. Dieser Brief war nur bis Hamburg frankiert, wie das `Hb ´ rechts neben der Marke deutlich macht. Deshalb waren in Dänemark vier Skillinge ~ 4 Kr. nachzutaxieren – wobei die verklebten 9 Kr. angerechnet wurden   ( Taxzahl 4 in Rötel ).



Bayerische Schmankerl 27 - Ralph Bernatz

Ein Brief aus Shanghai vom 17.8.1863 über Hongkong, das Rote Meer, Mittelmeer, Southhampton, London, Paris, Strasbourg und Augsburg nach Thalmässing, dann weiter über Roth nach Ellingen, wo er am 26.10.1863 ankam. Der Absender bezahlte 1 Shilling 11 Pence.



 Bayerische Schmankerl 26 - Dietmar Schmitz

Ein Brief  aus Babenhausen nach Memmingen, selten schön gestempelt. Ja, und?
Die Geschichte dieses Briefs ist etwas komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint. Diese Parteisache ging nämlich nicht direkt vom Absender, dem Landgericht Babenhausen, per Post an den Adressaten, den Advokaten Wilemer.
Zivilprozesse wurden damals weitgehend schriftlich verhandelt. Beide Seiten mussten gehört werden, dies aber innerhalb festgelegter Zeiträume, um den Rechtsstreit in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen abzuschließen. Von großer Bedeutung war hierbei, wann die vom Gericht vorgegebenen Fristen zu laufen begannen. Diesen Zeitpunkt bestimmte die belegte Zustellung eines Schriftsatzes bei einer Prozesspartei – nach altem Sprachgebrauch: die Insinuation. Der Advokat Wilemer in Memmingen hatte, einer Vorgabe der bayerischen Zivilprozessordnung (seit 1753 unverändert in Kraft, bis 1869!) entsprechend, einen sogenannten Insinuationsmandatar aufgestellt, einen Bevollmächtigten, der für ihn am Sitz des Gerichts alle Verfügungen und Entscheidungen entgegennahm, die dieses erließ. Am 9. Juni 1853 trug der Gerichtsbote Roth deshalb den Brief innerhalb Babenhausens zum konzessionierten Boten Baader (auf der Siegelseite des Briefs steht ein entsprechender Vermerk mit ausgeschriebenem Datum, auf der Adressseite steht links unten: „Ins. Bader“), ließ sich die erfolgreiche Zustellung im Botenbuch quittieren und kassierte nebenbei noch 41 Kreuzer Taxen aus dem laufenden Prozess, darunter wohl auch 4 Kreuzer, die ihm für seine eigenen Dienste zustanden.
Baader wiederum strich den Taxvermerk, damit dieser keine Verwirrung stiftete, notierte auf der Siegelseite „Sogleich der Post übergeben“, unterschrieb, frankierte den Brief mit sechs Kreuzern und sandte ihn nach Memmingen ab. Damit war für alle Prozessbeteiligten die Zustellung belegbar. Baader stellte seinem Auftraggeber Wilemer später die ausgelegten Taxen und die Versandspesen in Rechnung, dazu einen angemessenen Betrag für seine Dienste (üblicherweise 12 Kreuzer).